Mabon

Was die Herbst-Tagundnachtgleiche dich als Frau übers Loslassen lehrt

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Mabon: Die Einladung, aufzuhören zu wachsen

Dir ist etwas richtig gut gelungen. Jemand sagt: „Wow, das hast du toll gemacht." Und in dir antwortet sofort eine leise Stimme: „Ach, so viel war das doch gar nicht. Da hatte ich einfach Glück."

Genau darum geht es an Mabon. Denn Ende September feiern wir Mabon, und dieses Jahreskreisfest hat eine Botschaft, die für uns Frauen ziemlich radikal ist.

Was ist Mabon?

Mabon ist die Herbst-Tagundnachtgleiche rund um den 21. September.
An diesem Tag sind Tag und Nacht gleich lang. Licht und Dunkel stehen für einen kurzen Moment im Gleichgewicht, und ab da gehen wir weiter ins Dunkle, Richtung Winter.

In der alten Tradition war Mabon das zweite Erntefest. Die Menschen dankten für das, was sie eingebracht hatten.

Ich mag dieses Fest sehr. Ich liebe den Herbst, und ich liebe, was die Natur uns in dieser Zeit zeigt.

Kein Baum fragt im September nach neuen Blüten

Was uns die Natur jetzt vormacht, tun wir Frauen im Alltag sehr selten: aufhören zu wachsen.

Ich weiß, das ist erst mal ein ungewohnter Gedanke. Aber schau dir einen Baum im September an. Er fragt nicht, ob er noch schnell ein paar Blätter nachschieben könnte oder eine letzte Frucht. Er bringt ein, was da ist. Den Rest lässt er los.

Loslassen fällt uns Menschen schwer. Oft fehlt uns das Bewusstsein dafür, wie selbstverständlich es zum Leben gehört. Eigentlich lösen wir uns jeden Tag von etwas: Wir essen, wir verdauen, wir geben wieder ab. In der Natur ist alles ein Kreislauf, und genau darin fühlen wir uns am wohlsten.

Tragen wir dagegen alles ein Leben lang mit uns herum, wird der Packen immer schwerer. Und wir Frauen neigen dazu, immer noch etwas obendrauf zu legen.

Zyklisch leben: Wir kennen diese Phasen längst

Dabei tragen wir das Wissen um Ruhephasen in uns.
Jeden Monat mit unserem Zyklus, und auch mit den Phasen des Mondes. Es gibt Zeiten, in denen nichts Neues hinein muss. Zeiten, in denen Ruhe genossen werden will.

In einer Leistungsgesellschaft ist das vielleicht das Schwierigste überhaupt: uns daran zu erinnern und es wieder als normal zu erleben.

Mabon: Herbstwald im goldenen Licht zur Tagundnachtgleiche

Die Ernte annehmen: der schwierigste Teil

Bei anderen sehen wir sofort, was sie alles geschafft haben, was für wunderbare Menschen sie sind und was sie alles können.

Bei uns selbst sieht das anders aus. Und wenn wir doch einmal etwas finden, bei dem wir denken „Das habe ich wirklich geschafft", melden sich innere Sätze: Es war ja gar nicht so viel. Da haben einfach die Umstände gepasst. Ich hatte halt Glück.

Einfach mal stehen zu lassen: Das ist aus mir gewachsen. Da bin ich hineingewachsen. Ich habe diese schwere Phase überstanden. Das fühlt sich für viele Frauen ungewohnt an.

Mabon lädt dich ein, genau das für einen Moment zu tun. Jetzt ist Erntezeit. Also: Was ist denn überhaupt da? Was für eine Frau bin ich in den letzten Jahren geworden? Was habe ich geschafft, was habe ich verarbeitet? Und vielleicht auch: Welche Themen möchte ich mir noch anschauen, ohne dass daraus gleich wieder ein neues Wachstumsziel wird?

Das ist eine ganz andere Qualität.

Licht und Dunkel, ohne Bewertung

Die Balance der Tagundnachtgleiche dauert nur einen Tag und eine Nacht. Dann verschiebt sie sich schon wieder.

Und in diesem kurzen Gleichgewicht dürfen wir uns erinnern: Die Natur bewertet nicht. Sie sagt nicht, heute ist besser als gestern. Alles ist darin enthalten.

Diese Einladung ist groß: den Drang loszulassen, dass immer alles hell, gut gelaunt und leistungsfähig sein muss.
Das Dunkle gehört dazu. Es ist genauso in Ordnung und genauso Teil des Ganzen.

So, wie die meisten von uns aufgewachsen und geprägt sind, ist das erst mal ein fremder Gedanke.
Umso hilfreicher ist die Natur, weil sie uns genau das spiegelt. Und sie spiegelt immer nur, was in uns schon da ist.

Mein eigenes Mabon-Thema

Ich fasse mir da selbst an die eigene Nase. Mein Kopf sprudelt regelmäßig vor Ideen. Und gerade wenn etwas gut läuft, will ich gleich noch mehr, noch dahin, noch das.

Dann frage ich mich nicht, was mit mir falsch ist. Ich frage mich: Was will ich mit all diesen Ideen eigentlich machen?
Denn wenn ich jeden Tag etwas Neues anfange und fünf Baustellen gleichzeitig aufmache, kommt schnell die Überforderung. Oder nichts wird fertig. Beides tut mir nicht gut.

Deshalb ist Mabon für mich jedes Jahr eine wunderbare Erinnerung, innezuhalten und zu spüren: Wo stehen wir eigentlich im Jahr? Ach, jetzt ist gar keine Wachstumsphase. Jetzt ist keine Zeit für neue Projekte.

Und wenn mich doch etwas ruft, etwa ein Angebot, das ich meinen Frauen gerade schenken möchte, dann mache ich es trotzdem. Aber in einem anderen Rhythmus. Ruhiger, langsamer.

Je mehr wir Pausen und Ruhephasen zulassen, desto kraftvoller können wir danach wieder starten. Wer immer nur startet, rödelt und macht, lebt gegen die eigene Natur.

Unser Organismus strebt nach Gleichgewicht, genau wie die Natur als selbstausgleichendes Ökosystem.

Ein bewusstes Mabon-Ritual für dich

Du brauchst dafür nur ein paar Minuten und einen ruhigen Platz. Setz oder leg dich hin, ganz ohne besondere Haltung. Du musst nichts leisten.

Atme einmal tief in den Bauch und spüre die Punkte, an denen dein Körper den Boden berührt.

1. Was ist gewachsen?
Frag dich: Was ist dieses Jahr in mir gewachsen? Denk nicht darüber nach, spür hin. Wo in deinem Körper nimmst du das wahr? Leg deine Hand auf diese Stelle. Wenn du nichts spürst, leg sie auf deinen Unterbauch, das Zentrum deiner Lebenskraft. Und dann schau, ob du das, was gewachsen ist, annehmen darfst.

2. Was darf gehen?
Stell dir vor, wie die Bäume langsam abwerfen, was sie im Winter nicht tragen können. Frag dich: Was möchte ich nicht mit in den Winter nehmen? Ein einziger Impuls reicht, du brauchst keine Inventarliste. Gib ihn beim Ausatmen über Füße oder Hände an die Erde ab, wie ein Blatt, das zu Boden gleitet. Die Erde verwandelt es über den Winter in etwas Neues.

3. Was nimmst du mit?
Spür zum Schluss nach: Was hat dir dieser Moment geschenkt? Vielleicht ein Wort, ein Gefühl oder ein Bild aus der Natur, mit dem du dein Gleichgewicht spürst. Wenn du magst, schick der Erde ein kleines Zeichen der Dankbarkeit.

Und wenn keine Antwort kommt? Das ist vollkommen in Ordnung. Sie darf in dir reifen und kommt vielleicht in den nächsten Tagen.

Die ganze Meditation zum Anhören

Die vollständige geführte Mabon-Meditation findest du in der aktuellen Folge meines SheRoots Podcasts. Nimm dir die paar Minuten, lass dich hineinsinken und genieße sie so, wie es sich für dich gerade gut anfühlt.

Zur Meditation 

Nächste hilfreiche Schritte

Wenn du deinem Nervensystem regelmäßig einen Rhythmus geben willst, der genau das unterstützt, Selbstwert, Vertrauen, wöchentliche Momente, die dir gehören, dann schau dir SheConnects an. Da feiern wir auch regelmäßig zusammen Jahreskreisfeste. 

Und falls du gerade akut spürst, wie ein alter Glaubenssatz deinen inneren Alarm auslöst, hilft dir das Erdungsritual in wenigen Minuten zurück in deinen Körper.

Schön, dass es dich gibt.

Deine Andrea