Echte Dankbarkeit im Herbst
Warum sie im Körper beginnt und nicht im Kopf
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Sei doch dankbar.
Andere haben es viel schlechter.
Diesen Satz kennst du wahrscheinlich.
Vielleicht von deiner Mutter, vielleicht von einem Lehrer. Und er hat gewirkt: Seitdem hast du ein leises schlechtes Gewissen, wenn du mehr vom Leben willst. Als wärst du undankbar. Als würdest du etwas falsch machen.
Genau da fängt das Problem an.
Wenn Dankbarkeit zur Pflicht wird
Sobald Dankbarkeit eine Aufgabe ist, drückt sie etwas weg. Du legst sie über das, was darunter liegt, wie eine Decke über einen Berg Wäsche.
Der Berg ist immer noch da.
Vielleicht kennst du Dankbarkeitstagebücher. Jeden Abend drei Dinge aufschreiben. Der Fokus ist nährend, gar keine Frage. Aber wenn dahinter der Gedanke sitzt "ich muss jetzt noch mein Tagebuch machen", dann ist es schon wieder etwas auf deiner Liste.
Und dann kann sich echte Dankbarkeit nie entfalten.
Es gibt nämlich zwei Arten davon.
Die eine sagt: Stell dich nicht so an. Die macht eng, baut Druck auf und sperrt dich fast ein.
Die andere ist die tiefe. Die spürst du im Bauch. Und die kommt von selbst, wenn du ihr Raum gibst.
Warum dein Körper manchmal nicht mitkommt
Dankbarkeit ist für mich viel mehr ein Körpergefühl als eine Denkaufgabe.
Im Pflichtmodus denkt dein Kopf: Ja gut, ich könnte schon dankbar sein. Ist ja nicht schlecht, dass ich was zu essen habe. Aber es kommt nicht an. Du fühlst es nicht wirklich.
Und wenn dein Vertrauen einmal zerbrochen ist, ist dieser Zugang oft ganz zu. Nach einem Vertrauensbruch schützt sich dein System, indem es das Fühlen runterfährt. Das ist keine Schwäche und kein Fehler. Das ist Schutz.
Aber es lohnt sich, da achtsam hinzuschauen. Mach ich das mit der Dankbarkeit, weil ich denke, ich muss? Oder weil ich es wirklich spüre?
Du musst dich nicht entscheiden
Ein Punkt, der fast immer übersehen wird: Viele Frauen glauben, sie müssten sich zwischen den Gefühlen entscheiden. Wenn ich trauere, darf ich nicht dankbar sein. Wenn etwas weh tut, ist für Freude kein Platz.
Dabei sind Gefühle fast nie allein unterwegs.
Du kannst auf einer Beerdigung stehen, um einen Menschen trauern und gleichzeitig sehen, wie schön die Sonne ins Laub fällt. Und dann verurteilst du dich dafür. Was bin ich denn für ein Mensch?
Diese Gleichzeitigkeit ist verwirrend. Aber sie ist normal. Und hier liegt für mich der wichtigste Satz zum Thema emotionale Stabilität: Du kannst dir selbst nur so weit vertrauen, wie du alle deine Gefühle in dir zulässt.
Nicht weil der Schmerz dann weniger wird. Sondern weil du aufhörst, einen Teil von dir wegzuschieben. Sowohl als auch statt entweder oder. Das gibt Halt.

Wie die Natur das macht
In schweren Phasen hast du das Gefühl, es gäbe nichts anderes mehr. Nur noch Dunkelheit. Nur noch Stress.
Draußen siehst du, dass das nicht stimmt. Nach dem Winter kommt der Frühling. Nach dem Frühling der Sommer. Es gibt keine ewige Dunkelheit, und es gibt auch keine ewige Fröhlichkeit. Es sind Wellen, und beide dürfen da sein.
Genau deshalb hilft es so, im Jahreskreis zu leben und rauszugehen. Nicht als Methode, sondern weil dein Körper draußen etwas begreift, was dein Kopf nur weiß.
Der Herbst ist dafür die passende Zeit. Ernte, Dankbarkeit und Loslassen gehören hier zusammen.
Eine kleine Übung für heute
Geh raus. Schau dich um.
Und dann frag dich nicht, wofür du dankbar sein solltest. Sondern: Wofür bin ich es gerade wirklich?
Bei mir ist es oft ganz klein. Die Obstkiste vom Bauern zum Beispiel. Wenn die ankommt, riechen die Sachen anders, schmecken anders. Und dann bin ich dankbar, dass jemand das für mich anbaut und gießt und sich kümmert. Wer schon mal versucht hat, selbst etwas vom Samenkorn bis zur Ernte zu bringen, weiß, wie viel da dranhängt.
Und dann spür mal nach, was der Gedanke in deinem Körper macht. Ob da etwas weich wird. Ob es warm wird im Brustkorb. Oder ob nichts passiert, was auch okay ist.
Dein Baum der Dankbarkeit
Stell dir einen alten Baum vor. Einer, der schon viel gesehen hat. Du lehnst dich mit dem Rücken an den Stamm und gibst dein Gewicht ab.
Und während du da stehst, löst sich ein Blatt aus der Krone und segelt in deine Hand. Auf dem Blatt steht etwas, wofür du dankbar bist.
Genau dorthin nehme ich dich in Folge #60 von SheRoots mit.
Drei Blätter bekommst du geschenkt, und das dritte gilt dir selbst.
Nimm dir Zeit dafür, und hör sie nicht beim Autofahren.
Zur Folge
Nächste hilfreiche Schritte
Wenn du in den Momenten, in denen dein alter Glaubenssatz den inneren Alarm auslöst, etwas zur Hand haben willst, dann schau dir SheAnchors an. Kurze Audio-Anker, die dich mit meiner Stimme zurück in deinen Körper holen. Für genau die Momente, in denen der Alarm schneller ist als du.
Und wenn du abends Ruhe brauchst und ein paar Minuten für dich hast, führt dich das Erdungsritual zurück in den Boden unter deinen Füßen.
Schön, dass es dich gibt.
Deine Andrea

